Versteckte tierische Inhaltsstoffe im Alltag

Ich bin zu gutgläubig. Punkt. Zu dieser Schlussfolgerung bin ich gekommen, als ich letzten Montag per Zufall bemerkte, dass meine Vitamin D3 Tropfen gar nicht vegan sind und tierische Inhaltsstoffe enthalten. Diese waren verschrieben vom Arzt, der zwar weiss, dass ich Veganerin bin, doch in seiner Alltagsroutine wohl nicht daran gedacht hat. Und wer weiss schon spontan auswendig, dass Cholecalciferol ein tierischer Inhaltsstoff sein könnte? Hätte ich mich vorher besser informiert, wäre es nie soweit gekommen.

Ursprünglich hatte ich vor, über versteckte aber schön umschriebene tierische Inhaltsstoffe zu schreiben. Bei der Recherche bin ich auf das Wort „Cholecalciferol“ gestossen und es war mir, dass ich dieses Wort doch schon irgendwo mal gesehen habe. Es steht schwarz auf weiss auf den Vitamin D3 Tropfen, die ich jeden Montag nehmen muss. Gemäss Recherche ist Cholecalciferol IMMER oder zumindest KANN tierischer Herkunft sein. Oh nein! Ich rannte nach der Arbeit direkt in die Apotheke, die mich noch mehr verunsichert hat. Sie meinten, Cholecalciferol ist in allen Vitamin D3 Tropfen und es gäbe keine pflanzliche Alternative ausser das Sonnenlicht.

Schlussendlich habe ich direkt bei der Firma Streuli SA in Uznach via E-Mail nachgefragt. Freundlicherweise haben sie Ende Woche detailliert Auskunft gegeben, dass das Cholealciferol tatsächlich von Wollfett stammt. Es gäbe allerdings eine Alternative und ich solle mich doch mit Swissveg.ch in Verbindung setzen.

Swissveg musste ich nicht mehr anfragen. Denn wie Puzzleteile, die zusammenpassen, fiel diese Woche auch ein Puzzleteil während einer der unzähligen Telefongespräche mit Esti. Sie erzählte mir beiläufig, dass sie Vitamin D3 Tropfen bei Lolavegan.ch bestellt hat. Rein pflanzlich und von der Vegan Society mit dem Vegan Label gekennzeichnet. Bingo! Das Thema Vitamin D3 Zufuhr ist vom Tisch und der Spray nun auf dem Tisch.

Versteckte tierische Inhaltsstoffe

Auf dem Tisch liegen aber auch noch die tierischen Inhaltsstoffe, versteckt in unseren Lebensmittel, Gebrauchsartikel oder Kosmetik. Am gleichen Abend des Telefongesprächs erschien im 20Minuten Online ebenfalls ein Artikel zu diesem Thema. Unter dem Titel „Vorsicht Veganer, Bananen sind nichts für euch“ klickt der Leser eine Bildstrecke mit ca 60 Bildern durch um zu erfahren, dass auch hartgesottene Veganer eigentlich gar nicht vegan leben können.

Die Bildstrecke beginnt mit dem Vergleich, dass in Feigen Protein-Rückstände von Wespen enthalten sind. Offenbar können diese mit dem Stachel bei der Bestäubung in der Feige stecken bleibt, stirbt und mit der Frucht verwächst. Aber beim Essen der Feige ist dies für das menschliche Auge nicht ersichtlich. Was soll ich dazu sagen. Soll ich jetzt keine Feigen mehr essen deswegen? Könnte ja sein, dass diese mit der Wespe drin auf den Boden gefallen ist und ich diese ohne Wespe erwischt habe. Diskutierend mit Esti haben wir befunden, dass dies der Lauf der Natur ist und so nicht bewusstes Tierleid entstanden ist.

Weiter sind aber noch mehrere Themen kurz angeschnitten wie unter anderem Bananen, Miso-Suppen, Pommes-Chips, Brot, Produkte rund um die Körperpflege (fragt sich jemand, was Keratin ist?), Vitamin D (voilà, da haben wir’s), Räucherstäbchen, LCD-Bildschirme (was?), Zigarettenfilter oder Frühstücksflocken. Das Meiste war eigentlich nichts Neues. Die Quintessenz ist, dass Vegis „… bei immer geglaubten tierfreien Produkten…“ einen zweiten Blick drauf werfen sollen.

Wissen wir alles über versteckte tierische Inhaltsstoffe?
Wissen wir alles über versteckte tierische Inhaltsstoffe?

Doch wie soll ich als Nicht-Ernährungswissenschaftlerin wissen, was die verschiedenen chemischen Namen auf einigen Produkten bedeuten? Perfide dazu ist, dass der ein und selbe Inhaltsstoff mehrere Namen haben kann. Doch wie können wir uns diese alle merken?

Die Menge der Inhaltsstoffe machts aus

Die Deklarationspflicht ist bei in der Verordnung des EDI über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln klar geregelt aber müsste eingehend studiert werden. Informationen fand ich auch auf der Seite des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Es geht alles davon aus, dass ab einer bestimmten Menge eines Inhaltsstoffes, dieser auf der Packung angegeben ist. Was ist aber mit der Menge unter diesen Bestimmungen? Diese können wir nicht wissen.

Wo ziehen wir unsere Grenzen?

Alles, was diese Woche passiert ist, hat mich einmal mehr zum Nachdenken angeregt. Ist es überhaupt möglich 100% vegan zu leben? Oder müssen wir an einem gewissen Punkt eine Grenze ziehen – sozusagen ein Auge zudrücken – und machen, was wir können, um Tierleid zu vermindern?

Wo ziehen wir unsere eigenen Grenzen?
Wo ziehen wir unsere eigenen Grenzen?

Eigenverantwortung

Fakt ist, dass wir als Konsument es nie genau wissen werden und auch wenn wir die Zutaten erkennen, müssen wir uns hinterfragen. Glücklicherweise gibt es das Vegan Label, dem wir vertrauen können. Und mit der Zeit kennen wir unsere Produkte, die wir regelmässig kaufen, auch auf die Gefahr hin, dass Rezepturen verändert werden könnten. Schön wäre, wenn ausschliesslich ALLE veganen Produkte mit einem Label gekennzeichnet wären. Doch hat es ja noch andere ungesunde Inhaltsstoffe, von denen wir besser die Finger lassen.

Saby

Autor: Saby

Weiss Geschmack zu schätzen und sucht immer neue Wege!

2 Gedanken zu „Versteckte tierische Inhaltsstoffe im Alltag“

  1. Hoppla, da staun ich sogar als Nichtveganerin. Unglaublich. Und eine Herausforderung, sich in diesem Dickicht zurechtzufinden. Als Laie sowieso. Darum euch vielen Dank für diese Aufklärung. Sehr interessant.

    Frage: Wie steht’s ums Vitamin B im zwischenmenschlichen Bereich? Gibt’s da auch pflanzliche Alternativen?;-)

    1. Liebe Anna! Herzlichen Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass ich für Dich ein kleines Loch im Dickicht schneiden konnte. Was das Vitamin B betrifft, ist wohl noch kein Kraut dafür oder dagegen gewachsen 😉

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