Sport und Vegan. Ein Interview mit Steve Hirschi

Steve Hirschi

Wir wagen uns auf’s Eis. Hin zu den wahren Männer im Mannschaftssport. Dort wo Schnelligkeit zählt, der Körper aufs Äusserste gefordert ist und harte Bodychecks während eines Spiels ohne mit der Wimper zu zucken ertragen werden. Manchmal fallen Handschuhe, fliegen Helme und wirbeln Fäuste durch die Luft. Die Luft ist rauh damit der Puck ins Tor des Gegners gelangt. Die Hockeysaison ist in vollem Gange und unter den harten Spielern des HC Lugano haben wir jemanden gefunden, der dem Klischee Vegan und Sport funktioniere nicht, Stirn bietet.

Einer, der sich in eine lange Liste von Profisportler einreiht wie sein Hockeykollege Andreas Hänni, die 6fache Gewinnerin des Ironman Hawaii Natascha Badmann, ex-Sprinter Carl Lewis, Box Legende Mike Tyson… Ich traf mich mit dem Verteidiger von HC Lugano, Steve Hirschi. Nach seinem Training, in den Katakomben der Resega und wir haben geplaudert.

Steve, Du musst Dich bestimmt regelmässig der Frage stellen, wo Du denn dein Protein herkriegst. Das wollen wir aber nicht wissen. Vielmehr interessiert es uns, wie es generell es um die Akzeptanz deiner Lebensweise bei den Teamkollegen und den verschiedenen Coaches steht.

„Ich sage mal, dass das unumgänglich ist im Sport. Probleme hatte ich nie.Weder mit meinen Teamkollegen noch den Trainer. Sie haben die Verbesserungen bemerkt, die ich erzielen konnte, denn ich hatte sehr gelitten in den letzten Jahren. Sie sehen auch, dass es nun besser geht und ich sehe es selber ebenso. Klar, zwischendurch machen sie Witze darüber aber das muss sein – soll auch so sein. Im Grossen und Ganzen war es nie ein Thema gewesen.“

Also in diesem Fall war es für Dich nie ein Problem als Profisportler vegan zu leben? Ich denke vor allem auch dann, wenn du unterwegs bist oder an Veranstaltungen teilnehmen musst?

„Ja, ich meine wenn man auswärts ist oder einen Teamanlass hat, da isst man halt vorher etwas. So hat man wenigstens etwas Richtiges gehabt. Das sind halt Sachen, die man mit der Zeit auch merkt. Im Grossen und Ganzen ist Auswärts Essen nie ein Problem. Es wird auch vorher organisiert und abgesprochen mit den anderen Clubs, so dass auch ich etwas zu essen bekomme.

Auch zu Hause. Die meisten Mahlzeiten, die ich mitnehme, mache ich selber. Für vor und nach dem Match habe ich immer etwas dabei, damit ich genug zu essen habe, so dass da gar keine Probleme auftauchen. Von dem her schaue ich schon, ja.

Diese Selbstverantwortung muss ich schon recht übernehmen, dass ich alles, was ich brauche, auch dabei habe. Das weiss ich auch. Das war am Anfang sicher eine Veränderung aber jetzt ist das normal in meinem Tagesablauf verankert. Am Morgen wird halt einfach eine Stunde gekocht bevor ich ins Training gehe, dass ich alles bereit machen kann, aber das ist ja nicht weiter schlimm. Das hilft mir und geht mir auch besser, seitdem ich mich vegan ernähre. Es wurde normal für mich, dass ich das alles, was ich brauche, selber vorbereite und war bis jetzt nie ein Problem.“

Was nimmst du denn üblicherweise mit für vor und nach dem Training?

„Üblicherweise nehme ich nach dem Match Reis mit Linsen, verschiedene Salate wie Grünsalate mit Mais, Zucchini, Karotten, Bohnen, Kichererbsen und so. Mit der Zeit halt immer mehr oder weniger das Gleiche. Nach dem Match ist es sowieso immer schwierig etwas zu essen. Nach so einer Leistung ist man müde. Dann macht man viel so Shakes, wenn’s sein muss, so dass ich zuerst einmal etwas zu mir nehmen kann. Danach habe ich eine Stunde Zeit mich ein wenig zu erholen. Aber so kann der Körper in der Zwischenzeit davon Energie holen. Von dem her wird das langsam Routine und normal für mich.“

Du hast vorhin erwähnt, dass es Dir besser geht. Dann hat sich die Umstellung also positiv für Dich und auf Deine Leistungen ausgewirkt.

„Ja, vor allem körperlich. Denn ich hatte früher Asthma, Allergien im Frühling, wo ich wirklich sehr gelitten habe und dazu kam im Winter immer monatelanger Husten. Ich habe Medis gegessen von morgens bis Abends. Das ist nun alles weg. Von dem her sicher eine positive Sache.

Körperlich bin ich nicht mehr so aufgedunsen. Alles Wasser ist aus dem Körper weg. Meine Gelenke gehen viel besser und ich habe keine Entzündungen mehr. Auch mit meinem Knie, wo sozusagen nichts mehr drin ist, geht es sehr gut. Früher war das Knie wie ein Wasserballon, aufgeblasen und schmerzhaft, aber das ist nun alles trocken. Von dem her ist es sehr eine positive Veränderung.

Manchmal ist es jedoch schwierig mit der Energie, dass man genug Energie hat. Ich habe zwar im Moment eine Phase, wo ich wirklich müde bin und wo ich ein wenig am leiden bin, doch auf jeden Fall eine positive Sache.

Ohne diese Ernährungsart wäre ich wahrscheinlich heute kein Hockeyspieler mehr. Von dem her sehr viel Positives. Hat mir sehr geholfen.“

Ohne diese Ernährungsart wäre ich wahrscheinlich heute kein Hockeyspieler mehr.

In solchen Phasen, wo du müde bist, wirst du extern unterstützt von einem Teamarzt oder Ernährungsberater?

„Ja, man ist schon ein wenig am Schauen, aber es ist auch normal. Ich denke, ich habe sehr viel gespielt, ich bin auch nicht mehr der Jüngste mit 35. Das muss man sicher auch ein wenig beobachten, dass manchmal auch die Erholung zu kurz kommt. Ich denke, ich bin schon sehr offen und versuche auch jeden Tag Lösungen zu finden. In solchen Situationen beginne ich auch wieder zu lesen, Bücher die ich vorher gekauft habe, die mir in den Anfangszeiten beim veganen Ernähren geholfen haben. Ich gehe darin blättern und probiere wieder Lösungen zu finden, um wieder aus dem Loch zu kommen. Und irgendwann kommt dann das schon wieder. Ist halt auch sportlich nicht immer gleich und ist normal. Es sind verschiedene Faktoren, wenig Schlaf – 3-4x pro Woche schlafen wir nicht vor 2 Uhr ein. Das ist alles auch nicht ideal. Es sind viele Punkte und nicht nur die Ernährung, die zu schaffen macht.“

Wie sieht so ein normaler Tag essenstechnisch bei Dir aus.

„Beim Frühstück schaue ich, dass ich nicht zuviel Soja esse, denn es ist ja nicht ideal zuviel Soja. Aber am Morgen ein Sojajogurt mit Müesli, das ist ok. Dann schaue ich, dass ich wieder ein wenig mehr Nüsse esse. Ich habe sicher eine zeitlang zuwenig Nüsse resp. zuwenig Fett geholt. Und ja, momentan esse ich auch viele Nüsse zum Frühstück.

Vor dem Training nehme ich oft auch Früchte, ein Riegel oder ein Fruchtriegel. Nach dem Training trinke vor allem einmal ein Shake mit Haferflocken, Früchte, Proteine, Hanf-, Reis- und Erbsenproteine. Das ist so das, was ich kurz nach dem Training nehme.

Danach gehe ich nach Hause essen. Oft ein grosser Salat, mit Linsen, auch Bohnen, Kichererbsen, Kohlenhydrate, glutenfreie Teigwaren, Reis, Kartoffeln… alles so Sachen halt. Meistens gehe ich dann ein Stündchen liegen um mich zu erholen und lesen bis die Kinder nach Hause kommen. Normalerweise esse ich um 16 Uhr wieder ein wenig Brot „Ankebock“. Wenn ich am Mittag kein Salat esse, nehme ich dafür am Nachmittag einen. Je nach Lust und Laune.

Um 18 Uhr wird wieder gegessen – ich esse schon sehr viel oder – aber als Sportler… Ich war immer einer, der viel gegessen hat, auch vorher, als ich noch Fleisch ass. Von dem her hat sich nichts gross geändert, auch nicht der Rhythmus vom Essen. Meistens auch bevor ich ins Bett gehe so um 22 Uhr, esse ich noch etwas. Kommt drauf an, ein wenig Früchte je nach Hunger oder sonst gibt’s noch mal eine richtige Mahlzeit. Ja, man isst schon sehr viel.“

Fehlt dir etwas um dir das vegane Leben einfacher zu machen oder hast du alles?

„Darüber habe ich nie nachgedacht und das bin ich mir gar nicht am überlegen. Es ist gut wie es jetzt ist. Ich bin schlussendlich verantwortlich für mein Leben und wenn man etwas verändern will, muss man sich reinknien. Aber eben, mit der Ernährung kann man schon sehr viel verändern, was man vorher nicht gedacht hätte. Nein, es ist gut wie’s ist und ich bin zufrieden, wie’s momentan geht.“

Ich bin schlussendlich verantwortlich für mein Leben und wenn man etwas verändern will, muss man sich reinknien.

Was ist dein absolutes Lieblingsessen?

„Schwierig zu sagen… früher hätte ich es sofort gewusst. Früher war Racelette mein absolut liebstes Essen. Aber heute hat es so viele feine Sachen. Doch was ich sehr gerne habe ist eine Pizza, die ich selber zubereite. Mit Sonnenblumenkerne, Buchweizenmehl, Kokosöl, geraffelte Karotten und Meersalz mit Gewürzen. Alles zu einem Teig verarbeiten und belegen mit dem was du willst, also Tomatensauce mit verschiedenen Gemüsen. Ich lege meistens Zucchini mit Pilzen, Peperoni und Vegikäse darauf. Das gibt einen anderen Geschmack, Pizzageschmack. Das Ganze mit 150°C im Backofen für 45 Minuten backen. Das ist mal etwas anderes.“

Danke, Steve, für das Gespräch!

Selfie mit Steve Hirschi

Kochen wie Steve Hirschi.

Pizzaboden

Eine super Abwechslung zur herkömmlichen Pizza!
Eine super Abwechslung zur herkömmlichen Pizza!

Steves Pizzaboden besteht nicht aus herkömmlichem Mehl sondern ist eine Mischung aus Kernen, Hülsenfrüchte und Gemüse. Der Pizzaboden ist relativ schnell zubereitet. Der Vorteil ist, dass der Teig nicht noch aufgehen muss, da keine Hefe drin ist. Dafür dauert die Backzeit ein wenig länger. Ist aber nicht weiter tragisch. Für den Teig und das Vorbereiten des Belages benötigte ich ca 15-20 Minuten inklusive Vitaminbehälter abwaschen.

Das kommt alles in den Teig:

  • 150g Sonnenblumenkerne (Im Coop und Migros erhältlich)
  • 175g roher Buchweizen (im Coop gefunden)
  • 200g Karotten geraspelt
  • 3 EL Kokosöl (dieses Mal dasjenige von Alnatura)
  • ½ TL Petersilie
  • Meersalz nach Belieben

Während dem Verarbeiten des Teiges den Backofen auf 150° vorheizen. Ein rechteckiges Blech mit Backpapier auslegen und die Pizzas formen. Entweder einige Kleinere oder 1 grosse. Wichtig ist, dass der Pizzaboden etwa einen 0,5 cm dick ist, damit er nicht zu feucht bleibt.

Der Belag

Den Belag könnt ihr nach Belieben auswählen. Steve mag ihn mit Pilzen, veganem Käse, Zucchini und Peperoni. Ich für meinen Teil mag die würzige Variante. Das heisst auch mit Zucchini, Tomaten und veganem Käse. Zusätzlich belegte ich den Boden auch mit gehackten gedörrten Tomaten, Oliven, frischem Basilikum und wenig Olivenöl. Die Pizza circa 45 Minuten in der Ofenmitte backen.

Der Teig reichte mehr als genug für 2 Personen. Auch wenn ich nur eine kleine Pizza geformt habe, war ich danach so was von satt, dass ich am Abend nur noch ein leichtes Süppchen essen konnte. Nächstes Mal werde ich nur gedämpftes Gemüse als Belag wählen 😉 oder ein wenig Sprossen… Wie auch immer. Der Teig ist wunderbar als Abwechslung und vor allem für Glutenallergiker eine super Alternative – und eben auch eine proteinreiche Sportlernahrung.

Die Pizza stammt übrigens aus der Thrive-Diät. Die veganen Kochbücher können bei Amazon bestellt werden.

Steve Hirschi, Profi Eishockeyspieler National Liga A

Steve Hirschi

Steve Hirschi (18.9.81) spielt seit 1998 in der Nationalliga A und seit 2003 beim HC Lugano, davon 5 Jahre Captain. Der Verteidiger mit der Trikot Nummer 8 wurde 2006 mit seiner Mannschaft Schweizer Meister und spielte im gleichen Jahr an den Olympischen Spielen in Turin/I. Der gebürtige Berner hat 2 Kinder und lebt seit etwas mehr als 2 Jahren vegan.

Saby

Autor: Saby

Weiss Geschmack zu schätzen und sucht immer neue Wege!

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